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Artikel eingestellt am 05.03.2005
Usability-Sünden: Warum Webmaster ihre Besucher aussperren
Wir müssen draußen bleiben
Das Internet ist sicher eine revolutionäre Erfindung, die es den Nutzern ermöglichen soll, sich aus einem globalen Informationsangebot bedienen zu können.
Leider wird einer nicht geringen Anzahl von Nutzern ein Teil dieses Angebotes vorenthalten. Hierbei meine ich nicht etwa kostenpflichtige Webangebote,
sondern Internetseiten, die schlicht den Bedürfnissen vieler Nutzer nicht gerecht werden und diese somit quasi ausgrenzen.
Wie eine solche "Ausgrenzung" von Internetnutzern aussehen kann, soll im folgenden an zwei Beispielen verdeutlicht werden.
Ein erstes großes Hindernis trifft alle diejenigen, die nicht über eine schnelle DSL-Verbindung verfügen, denn viele Webmaster achten einfach nicht
genügend auf die Ladezeiten ihrer Webseiten.
So war ich z. B. kürzlich mit einer 56K-Verbindung im Netz unterwegs und wollte mir die Site einer Internet Service Agentur ansehen. Nachdem ich die
entsprechende URL eingegeben hatte erhielt ich den Hinweis, dass ich zum Betrachten der Website den Macromedia Flash Player Version XYZ benötige.
Obwohl ich den Flash Player zur Verfügung habe, hätte ich im Normalfall den Besuch der Site schon an dieser Stelle abgebrochen, da mich die Erfahrung
gelehrt hat, dass der Besuch von Flash Seiten sich für mich meistens nicht lohnt.
In diesem Fall wollte ich es jedoch einmal wissen und klickte auf den
"Weiter - Button". Das nächste was ich sah, war ein "Fortschrittsbalken" und eine prozentuale Anzeige des Ladestandes. Da sich der Ladevorgang sehr
lange hinzog, hielt ich dabei die Uhrzeit im Auge. Erst nach knapp vier Minuten war der Ladevorgang abgeschlossen.
Die Site war graphisch wirklich preisverdächtig gut gemacht und wies auch einige interessante Mauseffekte auf. An relevanten Informationen waren jedoch
leider nur die Kontaktdaten zu finden, so dass der gesamte Informationsgehalt in etwa einem Grundeintrag in einem Branchenverzeichnis gleich kam.
Das lange Warten hat sich also als wenig lohnend erwiesen.
Internetseiten, die eine so lange Ladezeit benötigen, sind für die Nutzer von langsameren Verbindungen eine Zumutung.
Unterhält man sich mit Webmastern solcher Seiten, so bekommt man oft zu hören, dass: "langsame Verbindungen doch nur noch in Einzelfällen genutzt würden
und diese Nutzer sicherlich auch bald auf schnellere Verbindungen umsteigen würden."
Diese Einschätzung ist jedoch nachweisbar falsch. Statistiken zeigen, dass noch rund 50% analoge oder einfache ISDN-Verbindungen nutzen. Verfolgt man diese
Statistiken über einen längeren Zeitraum, erkennt man, dass der Umstieg auf schnellere Verbindungen mittlerweile nur noch relativ langsam erfolgt.
Somit dürfte das Thema Ladezeiten noch längere Zeit aktuell sein.
Eine weitere Barriere für viele Internetnutzer basiert hauptsächlich darauf, dass viele Webseiten technische Unzulänglichkeiten aufweisen.
Diese Unzulänglichkeiten kommen meistens zustande, weil Webmaster bei der Erstellung ihrer Internetseiten nicht berücksichtigen, dass die Besucher der Seiten
über ein anderes Equipment verfügen können, als sie selber. Sie legen ihre Webseiten lediglich auf den eigenen Lieblingsbrowser und die eigene bevorzugte
Bildschirmauflösung aus. Den Nutzern anderer Browser oder anderer Auflösungen werden somit häufig katastrophale Darstellungen geboten.
So habe ich z. B. einmal die Website einer Marketingfirma beobachtet, dessen Webmaster offensichtlich die Bildschirmauflösung 1024 * 768 Pixel benutzt.
Jedenfalls ist die Site als Framesets angelegt und bei dieser Auflösung paßt alles auch recht genau.
Benutzt jemand eine niedrigere Auflösung wird die Website jedoch völlig unbrauchbar, da nichts mehr vernünftig dargestellt wird und der Nutzer nicht einmal alle
Menupunkte der Navigation bedienen kann, da ihm ein Scrollen auch nicht ermöglicht wurde.
Privaten "Homepagebauern" kann man solche Fehler durchaus nachsehen. Oben genannte Marketingfirma bietet allerdings unter anderem auch "Webdesign" gewerblich an,
so dass hier solche Fehler inakzeptabel sind.
Fast noch schlimmer finde ich es, wenn man auf der Startseite einer Internetpräsenz Hinweise wie den folgenden lesen muß:
Diese Site ist optimiert für Internet Explorer 6
bei einer Auflösung von 1024 * 768
Solche Hinweise sind gut gemeint, sie verraten jedoch, dass:
- sich die Betreiber der Site durchaus bewußt sind, dass ihre Seiten bei vielen Nutzern nicht ordentlich dargestellt werden
- und das den Verantwortlichen entweder die Kenntnis oder die Lust fehlt, ihre Seiten möglichst vielen Nutzern in ordentlicher Qualität zu präsentieren.
Der Hinweis ist für mich durchaus vergleichbar mit Türstehern vor Discotheken, die einen Teil der Besucher mit den Worten. "Wie siehst Du denn aus? So kommst Du hier nicht rein!" abwimmeln.
Manchmal findet man im Web auch noch Steigerungsformen solcher "Startseitenhinweise".
Diese Seiten sind optimiert für den Browser XYZ.
Falls Sie diesen Browser nicht haben, können Sie ihn hier downloaden.
Auch dieser Hinweis ist wahrscheinlich gut gemeint und der Downloadlink soll vermutlich als toller Service verstanden werden.
Der Hinweis kann aber auch so interpretiert werden, dass es im Türsteherjargon heißen würde: "Da vorne ist ein Laden - Kauf Dir erst mal anständige Klamotten,
dann kommst Du hier auch rein."
Vermeiden lassen sich die geschilderten Ärgernisse, wenn bei der Planung von Webseiten eine etwas andere Philosophie zugrunde gelegt werden würde.
So sollten Internetseiten stets an das Equipment und die Bedürfnisse der Nutzer angepaßt werden und nicht von den Nutzern verlangt werden, dass diese sich den Webseiten anpassen.
Um den Bedürfnissen der Internetnutzer gerecht werden zu können, muß man sich bei der Planung von Webseiten erst einmal damit vertraut machen, mit welchem Equipment und mit
welcher Geschwindigkeit diese Nutzer im Web unterwegs sind.
Hierzu gibt es nützliche Statistiken, die im Internet leicht zu finden sind.
(Bsp. www.webhits.de)
Wenn man dann noch ein wenig Arbeit investiert, ist es durchaus möglich,
- fast allen Nutzern funktionierende Seiten anzubieten und
- zudem einer sehr hohen Prozentzahl auch noch eine ordentliche Darstellung zu liefern.
Ich würde mir wünschen, dass die Tendenz im Internet mehr in die Richtung "benutzerfreundlicher" Seiten gehen würde, damit immer weniger Internetnutzer auf Seiten stoßen,
die ihnen das Gefühl vermitteln: "Wir müssen draußen bleiben".
Von: Günter Dehne
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